Der Reiche stirbt wie das Vieh. Der Weise endet wie der Narr. Alle Herrlichkeit zerfällt im Grab. Der Psalm 49 verkündet eine erschütternde Wahrheit: Kein Mensch kann sich selbst erlösen. Nur Gott vermag aus dem Tod zu retten.
Psalm 49, 1-21: – Ein Psalm der Söhne Korach, vorzusingen, nach der Weise »Jugend«. Höret zu, alle Völker; merket auf, alle, die in dieser Zeit leben, einfache Leute und Herren, Reich und Arm, miteinander! Mein Mund soll Weisheit reden, und was mein Herz sagt, soll verständig sein. Ich will einem Spruch mein Ohr neigen und mein Rätselwort kundtun beim Klang der Harfe. Warum sollte ich mich fürchten in bösen Tagen, wenn mich die Missetat meiner Widersacher umgibt, die sich verlassen auf Hab und Gut und pochen auf ihren großen Reichtum? Kann doch keiner einen andern auslösen oder für ihn an Gott ein Sühnegeld geben – denn es kostet zu viel, ihr Leben auszulösen; er muss davon abstehen ewiglich –, damit er immer weiterlebe und die Grube nicht sehe. Nein, er wird sehen: Auch die Weisen sterben, so wie die Toren und Narren umkommen; sie müssen ihr Gut andern lassen. Gräber sind ihr Haus immerdar, ihre Wohnung für und für, und doch hatten sie große Ehre auf Erden. Ein Mensch in seiner Herrlichkeit kann nicht bleiben, sondern muss davon wie das Vieh. Dies ist der Weg derer, die so voll Torheit sind, und das Ende aller, denen ihr Gerede so wohl gefällt. SELA. Sie liegen bei den Toten wie Schafe, der Tod weidet sie; aber die Frommen werden gar bald über sie herrschen, und ihr Trotz muss vergehen; bei den Toten müssen sie bleiben. Aber Gott wird mich erlösen aus des Todes Gewalt; denn er nimmt mich auf. SELA. Lass es dich nicht anfechten, wenn einer reich wird, wenn die Herrlichkeit seines Hauses groß wird. Denn er wird nichts bei seinem Sterben mitnehmen, und seine Herrlichkeit wird ihm nicht nachfahren. Erfreut sich wohl dieses guten Lebens, und man preist dich, wenn es dir gut geht. Aber doch fahren sie ihren Vätern nach und sehen das Licht nimmermehr. Ein Mensch in seiner Herrlichkeit kann nicht bleiben, sondern muss davon wie das Vieh.
Meine lieben Brüder und Schwestern! Der Psalm 49 beginnt mit einem universalen Ruf, der alle Menschen ohne Ausnahme betrifft. Der Psalmist fordert nicht nur Israel, sondern alle Völker auf: – Höret zu, alle Völker; merket auf, alle, die in dieser Zeit leben, einfache Leute und Herren, Reich und Arm, miteinander! Diese Botschaft gilt jedem Menschen, unabhängig von Stand, Vermögen oder Bildung. Es ist eine Weisheit, die nicht an nationale oder soziale Grenzen gebunden ist, denn sie behandelt die fundamentalste aller Fragen: Was geschieht mit dem Menschen im Tod? Kann er sich selbst retten? Hat sein Reichtum, seine Macht, seine Weisheit irgendeine Bedeutung vor dem Grab?
Der Psalmist kündigt an, dass er Weisheit reden wird. Nicht menschliche Philosophie, nicht irdische Klugheit, sondern göttliche Weisheit, die von oben kommt. – Mein Mund soll Weisheit reden, und was mein Herz sagt, soll verständig sein. Ich will einem Spruch mein Ohr neigen und mein Rätselwort kundtun beim Klang der Harfe. Diese Weisheit ist ein Rätselwort, ein Mysterium, das der natürliche Mensch nicht erfassen kann. Nur der Geist Gottes öffnet dieses Rätselwort und erschließt die Wahrheit.
Der Apostel Jakobus verheißt: – Wenn es aber jemandem unter euch an Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der jedermann gern gibt und niemanden schilt; so wird sie ihm gegeben werden (Jakobus 1,5).
Psalm 49 lehrt eine Weisheit, die nicht dem Hörsaal gehört, sondern dem Herzen; eine Weisheit, die wir brauchen, weil unser Leben vor der Ewigkeit steht.
Der Psalm stellt uns eine entscheidende Frage: „Warum sollte ich mich fürchten in bösen Tagen, wenn mich die Missetat meiner Widersacher umgibt?“ Da stehen Menschen vor dem Beter, die sich auf ihren Besitz verlassen, die auf ihre Macht pochen, die ihren Reichtum wie eine Waffe gegen ihn erheben. Doch der Gläubige antwortet nicht mit Angst. Er hebt den Blick – weg von den Drohgebärden der Menschen, hin zur Wahrheit Gottes. Denn was ist der Reichtum? Er glänzt nur für eine Zeit. Er verschafft Einfluss, er öffnet Türen, er beeindruckt die Welt. Aber er kann nicht retten. Er kann den Tod nicht aufhalten. Er kann das Gericht Gottes nicht umgehen. Das Gold, das heute funkelt, wird im Grab zu Staub.
Das Wort der Sprüche 11,4 sagt es mit einer Klarheit, die uns aufrütteln soll: – Gut hilft nicht am Tage des Zorns; aber Gerechtigkeit errettet vom Tode. Das ist die Perspektive des Psalms, liebe Geschwister: Reichtum mag im Leben Vorteile bringen, aber vor Gott ist er wertlos. Wenn der Tag kommt, an dem alles offenbar wird, zählt nur eines – die Gerechtigkeit, die Gott schenkt. Darum fürchtet sich der Gläubige nicht. Er weiß: Die Macht der Menschen vergeht. Die Drohungen verlieren ihre Kraft. Aber Gottes Wahrheit bleibt. Und wer sich an sie hält, steht fest – auch in bösen Tagen.
Und hier, liebe Geschwister, führt uns der Psalm zu einer ernsten, ja erschütternden Einsicht: Wie töricht ist der Mensch, der sein Herz an vergängliche Dinge hängt. Wie blind ist der, der sein Leben auf Gold und Silber baut, auf Besitz, auf Häuser, auf Autos, auf all das, was die Welt ihm als Sicherheit verkauft. Sie kommen stolz daher, sie tragen ihren Wohlstand wie eine Rüstung, sie reden, als könnten sie mit Geld die Ewigkeit kaufen. Was für eine Dummheit!
Doch wenn sie nur wüssten, was vor ihnen liegt. Wenn sie nur ahnten, dass all ihr Glanz an einem einzigen Tag vergehen wird – an dem Tag, an dem sie vor Gott stehen und Rechenschaft geben müssen. Dann würde ihr Stolz zerbrechen wie Glas. Dann würde ihr Reichtum verstummen wie ein Schatten. Denn was bleibt ihnen? Nichts. Kein Gold folgt ihnen ins Grab. Kein Konto begleitet sie vor den Richterstuhl Christi. Kein Besitz kann die Schuld tilgen, kein Vermögen kann die Wahrheit Gottes aufhalten.
Darum ruft der Psalm uns zur Weisheit: Fürchte dich nicht vor denen, die mit Reichtum prahlen. Fürchte dich nicht vor denen, die ihre Macht gegen dich erheben. Fürchte dich vor dem Herrn – und halte dich an seine Gerechtigkeit. Denn nur diese Gerechtigkeit rettet. Nur sie trägt durch den Tod. Nur sie besteht am Tage des Zorns. Alles andere ist Staub.
Nun kommt der Psalmist zur zentralen theologischen Aussage: – Kann doch keiner einen andern auslösen oder für ihn an Gott ein Sühnegeld geben – denn es kostet zu viel, ihr Leben auszulösen; er muss davon abstehen ewiglich. Dies ist eine erschütternde Wahrheit. Kein Mensch kann sich selbst oder einen anderen vom Tod erlösen. Der Preis ist zu hoch. Kein Reichtum dieser Welt reicht aus, um ein einziges Menschenleben vom ewigen Tod zu befreien.
Unser Herr und Heiland sagt es klar: – Denn was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme an seiner Seele Schaden? Denn was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse? (Markus 8,36-37). Die Antwort ist eindeutig: nichts. Der Mensch besitzt nichts, was ausreicht, um seine Seele zu retten.
Geliebte Geschwister! Durch die ganze Heilige Schrift zieht sich ein roter Faden: Der Mensch kann sich nicht selbst erlösen. Der Mensch ist gefangen in Sünde und Tod. Paulus sagt es ganz unverblümt: – Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten (Römer 3,23). Und weiter fügt er hinzu: – Denn der Sünde Sold ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn (Römer 6,23). Der Tod ist der gerechte Lohn der Sünde. Und kein Mensch kann diesen Lohn durch eigene Leistung oder eigenen Reichtum abwenden. Alle Versuche, sich selbst zu erlösen, sind vergeblich. Der Mensch muss – davon abstehen ewiglich, wie der Psalm sagt.
Wir haben den ewigen Tod verdient. Nicht nur „die Welt“, nicht nur „die Gottlosen“, nicht nur „die Reichen, die sich an Gold und Silber klammern“. Nein – ich habe den ewigen Tod verdient. Vor Gott stehe ich nicht als Beobachter, sondern als Schuldiger. Ich kann mich nicht herausreden, nicht entschuldigen, nicht rechtfertigen. Meine Sünde ist nicht ein kleiner Fehler, sondern ein Bruch mit dem lebendigen Gott.
Und dieser Bruch hat einen Lohn: den Tod. So sagt es Paulus, so bezeugt es die ganze Heilige Schrift, so bestätigt es der Psalm. Wenn Gott mir nach meinen Werken vergälte, wäre ich verloren. Wenn Gott mich nach meiner eigenen Gerechtigkeit richten würde, hätte ich keinen Bestand. Darum muss der Mensch – davon abstehen ewiglich. Er muss aufhören, sich selbst zu retten. Er muss aufhören, sich selbst zu rechtfertigen. Er muss aufhören, sich selbst zu erhöhen.
Er muss erkennen: Ich bin der, der Gnade braucht. Ich bin der, der Christus braucht. Ich bin der, der ohne den Erlöser verloren wäre.
Was für eine Gerechtigkeit: – Nein, er wird sehen: Auch die Weisen sterben, so wie die Toren und Narren umkommen; sie müssen ihr Gut andern lassen.
Was für eine Gerechtigkeit, was für eine ernüchternde Wahrheit: Vor dem Tod stehen alle gleich. Der Weise und der Narr, der Reiche und der Arme, der Mächtige und der Schwache – sie alle müssen gehen. Und sie alle müssen ihr Gut andern lassen. Was für eine Freude: Der weise Mann stirbt wie der Narr. Der reiche Mann endet wie der Bettler. Der mächtige Herrscher wird zu Staub wie der niedrigste Sklave.
Und hier, liebe Geschwister, erhebt sich ein prophetisches Wort, das unsere Zeit dringend hören muss: Der Mensch baut sich Festungen aus Dingen, die keine Festungen sind. Er häuft Besitz auf, als könnte er damit die Ewigkeit kaufen. Er vertraut auf Versicherungen, als könnten sie ihn vor dem Gericht Gottes schützen. Er baut sein Leben auf das Sichtbare – und merkt nicht, dass das Sichtbare vergeht. Sie nennen es Sicherheit, doch es ist nur ein dünner Faden. Sie nennen es Erfolg, doch es ist nur ein Schatten. Sie nennen es Stärke, doch es ist nur ein Hauch. Der Mensch klammert sich an das Vergängliche, weil er die Wahrheit nicht sehen will: Alles, was er besitzt, besitzt ihn nur für eine kurze Zeit.
Und dann kommt der Tag, den niemand aufhalten kann. Der Tag, an dem Gott ruft. Der Tag, an dem das Herz offenbar wird. Der Tag, an dem der Mensch nicht mehr hinter seinem Reichtum stehen kann, weil der Reichtum nicht mit ihm steht. Und an diesem Tag zählt nicht, was wir hatten, sondern wer wir waren. Nicht, was wir angesammelt haben, sondern wem wir vertraut haben. Nicht, was wir vorweisen können, sondern ob wir im Glauben standen.
Darum ruft uns der Psalm nicht nur zur Umkehr, sondern zur nüchternen Klarheit: Stellt euer Leben auf das, was bleibt. Baut euer Herz auf das, was trägt. Sucht die Gerechtigkeit Gottes – denn sie allein wird euch durch den Tag führen, an dem alles andere fällt.
– Gräber sind ihr Haus immerdar, ihre Wohnung für und für, und doch hatten sie große Ehre auf Erden. Die Menschen bauen sich prächtige Häuser, sammeln Besitztümer, streben nach Ehre und Ruhm. Aber ihr wahres Haus ist das Grab. Ihre bleibende Wohnung ist die Finsternis unter der Erde.
Unser Herr und Heiland erzählt uns ein Gleichnis: – Es war ein reicher Mensch, dessen Feld hatte gut getragen. Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle. Und sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast? (Lukas 12,16-20): Der reiche Mann plant für die Zukunft, aber Gott nennt ihn einen Narren, denn in dieser Nacht stirbt er und alles bleibt zurück.
So sind wir Menschen bis heute. Narren sind wir, wenn wir glauben, unser Leben liege in unseren Händen. Narren sind wir, wenn wir meinen, wir könnten unsere Zukunft sichern, indem wir größere Scheunen bauen, mehr anhäufen, mehr besitzen, mehr kontrollieren. Narren sind wir, wenn wir uns einreden: „Seele, du hast Vorrat für viele Jahre.“ Denn wir vergessen, was der reiche Mann vergaß: dass unsere Seele nicht uns gehört. Dass unser Leben nicht durch Vorräte verlängert werden kann. Dass unsere Zukunft nicht in Konten, Häusern oder Plänen liegt, sondern allein in der Hand Gottes. Wer das nicht sehen und begreifen will, ist ein Narr!
Darum ruft uns der Herr: Werde weise. Werde wach. Werde frei von der Torheit, dein Leben auf das Vergängliche zu bauen. Denn die Nacht kommt, in der Gott ruft. Und selig ist, wer dann nicht auf Scheunen zeigt, sondern auf Christus.
– Ein Mensch in seiner Herrlichkeit kann nicht bleiben, sondern muss davon wie das Vieh. Dieser Refrain erscheint zweimal im Psalm und betont die ernüchternde Wahrheit: Der Mensch in all seiner Pracht und Herrlichkeit ist vergänglich wie das Vieh. Er stirbt, und sein Körper verfällt wie der eines Tieres. Ohne Gott hat der Mensch keine höhere Bestimmung als das Tier.
Der Prediger des Alten Testaments sagt es so trefflich: – Denn es geht dem Menschen wie dem Vieh: wie dies stirbt, so stirbt auch er, und sie haben alle einen Odem, und der Mensch hat nichts voraus vor dem Vieh; denn es ist alles eitel. Es fährt alles an einen Ort. Es ist alles aus Staub geworden und wird wieder zu Staub (Prediger 3,19-20).
Geliebte Geschwister, der Prediger spricht mit einer Nüchternheit, die uns den Atem nimmt: Der Mensch endet wie das Vieh – im Staub, ohne Ruhm, ohne Bestand, wenn er ohne Gott lebt. Wer sein Vertrauen auf Vergängliches setzt, wer sein Herz an das Irdische bindet, der verliert nicht nur die Ewigkeit, sondern auch die Würde, die Gott dem Menschen gegeben hat.
Und genau hier müssen wir uns der Wahrheit stellen, so scharf sie auch ist: Der Mensch, der ohne Gott lebt, verschwendet sein Leben. Er rennt, er arbeitet, er sammelt, er baut – und doch läuft alles auf denselben Punkt zu: Staub. Er mag sich für klug halten, für erfolgreich, für stark. Er mag sich einreden, sein Leben sei sinnvoll, weil es gefüllt ist mit Besitz, Projekten, Plänen und Sicherheiten. Aber vor Gott ist all das nur Rauch.
Wie viele Menschen leben heute so, als gäbe es keinen Richter, keinen Tag der Wahrheit, keine Ewigkeit. Sie leben, als sei der Tod ein Nebengeräusch, als sei das Grab ein harmloser Übergang, als könne man mit einem Lächeln und einem Kontoauszug vor den heiligen Gott treten. Was für eine Torheit! Doch der Prediger ruft uns zu: Es ist alles eitel. Alles leer. Alles vergehend. Alles Staub. Wer ohne Gott lebt, verliert nicht nur das Leben – er verliert die Ewigkeit. Wer ohne Gott vertraut, verliert nicht nur den Sinn – er verliert die Seele. Wer ohne Gott baut, baut nicht nur falsch – er baut ins Nichts.
Darum ist dieses Wort nicht nur eine Beschreibung, sondern eine Warnung: Kehrt um, bevor euer Leben zu Staub wird. Sucht Gott, bevor die Nacht kommt. Vertraut Christus, bevor der Tod euch findet. Denn ohne Gott endet der Mensch wie das Vieh. Mit Gott aber beginnt das Leben, das den Tod überwindet.
– Dies ist der Weg derer, die so voll Torheit sind, und das Ende aller, denen ihr Gerede so wohl gefällt. Der Weg der Torheit ist der Weg des Vertrauens auf Reichtum, Macht und irdische Herrlichkeit. Es ist der Weg derer, die sich selbst schmeicheln, die stolz auf ihre Leistungen sind, die meinen, sie hätten das Leben im Griff. Gottes Wort warnt uns: – Manchem scheint ein Weg recht; aber zuletzt bringt er ihn zum Tode (Sprüche 14,12). Der breite Weg, den viele gehen, endet in der Vernichtung. Unser Herr und Heiland lehrt eindringlich: – Gehet hinein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und viele sind’s, die auf ihm hineingehen. Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind’s, die ihn finden! (Matthäus 7,13-14).
Geliebte Geschwister, der Psalm zeichnet den Weg der Torheit mit einer Klarheit, die uns erschüttert: Es ist der Weg derer, die sich selbst betrügen, die sich von ihrem eigenen Gerede blenden lassen, die meinen, Reichtum, Macht und irdische Herrlichkeit könnten ihnen Bestand geben. Doch Gottes Wort entlarvt diesen Weg als den breiten Weg, der in den Tod führt – den Weg, der vielen richtig erscheint, aber am Ende zur Vernichtung führt.
Viele sind es, die diesen Weg heute gehen. Sie gehen ihn mit erhobenem Haupt, mit stolzer Brust, mit dem Gefühl, alles im Griff zu haben. Sie gehen ihn, weil er bequem ist, weil er beliebt ist, weil er ihnen Applaus einbringt. Sie gehen ihn, weil die Welt ihnen zuflüstert: „Du bist erfolgreich. Du bist stark. Du bist sicher.“ Doch sie merken nicht, dass dieser Weg sie Schritt für Schritt von Gott wegführt. Sie merken nicht, dass der breite Weg nicht durch seine Breite verlockend ist, sondern durch seine Blindheit. Sie merken nicht, dass sie auf einem Weg wandeln, der von Menschen gefeiert, aber von Gott verurteilt wird.
Und wie tragisch ist es, dass so viele diesen Weg wählen – nicht aus Bosheit, sondern aus Selbsttäuschung. Sie glauben, sie seien klug, doch sie sind blind. Sie glauben, sie seien frei, doch sie sind gefangen. Sie glauben, sie seien auf dem Weg des Lebens, doch sie gehen auf dem Weg des Todes.
Darum ruft unser Herr mit prophetischer Dringlichkeit: Geht nicht mit der Masse. Geht nicht mit dem Strom. Geht nicht mit denen, die den Tod nicht sehen wollen. Sucht die enge Pforte, den schmalen Weg, den Weg, den nur wenige finden – den Weg, der zum Leben führt.
– Sie liegen bei den Toten wie Schafe, der Tod weidet sie; aber die Frommen werden gar bald über sie herrschen, und ihr Trotz muss vergehen; bei den Toten müssen sie bleiben. Hier wird ein dramatischer Kontrast aufgestellt, liebe Geschwister. Die Gottlosen werden vom Tod geweidet wie Schafe zur Schlachtbank. Sie haben keine Hoffnung, keine Zukunft, kein Entkommen. Ihr Trotz, ihre Arroganz, ihr Stolz wird zunichte. Aber die Frommen, die Gott vertrauen, werden über sie herrschen. Dies ist eine eschatologische Verheißung. Die Gläubigen werden im Reich Gottes erhöht werden, während die Gottlosen im Gericht bleiben.
Daniel 12,2-3 prophezeit: – Und viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande. Und die da lehren, werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich.
Und nun, liebe Geschwister, kommt der große Wendepunkt des Psalms, der wie ein Lichtstrahl in die Finsternis fällt: – Aber Gott wird mich erlösen aus des Todes Gewalt; denn er nimmt mich auf.
Hier beginnt die Hoffnung. Hier beginnt die Erlösung. Nicht der Mensch rettet sich – Gott rettet. Nicht unsere Kraft trägt uns durch den Tod – Gottes Gnade trägt uns. Der Psalm bekennt: Der Tod hat Macht, aber Gott hat größere Macht. Der Tod fordert, aber Gott entreißt. Der Tod verschlingt, aber Gott holt heraus.
Dies ist keine menschliche Leistung, kein Werk, kein Verdienst. Es ist reine, unverdiente, souveräne Gnade. Die gleiche Gnade, die Hiob bekennt, wenn er – mitten im Leid, mitten im Zerbruch – spricht: – Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub stehen. Und wenn meine Haut zerfällt und mein Fleisch vergeht, werde ich doch Gott sehen. Ich selbst werde ihn sehen; meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder (Hiob 19,25–27).
Hiob sieht über den Tod hinaus. Und der Psalmist sieht über den Tod hinaus. Und wir dürfen es auch: Gott nimmt den Gläubigen auf. Gott holt ihn heim. Gott lässt ihn nicht im Staub zurück. Was für ein Trost, eine Hoffnung, eine große Verheißung und Zuversicht!
Und diese Erlösung, geliebte Geschwister, von der Psalm 49 spricht, findet ihre Erfüllung in Jesus Christus. Christus ist der einzige, der das Lösegeld zahlen konnte, das zu hoch war für jeden Menschen. 1. Timotheus 2,5-6 verkündet: – Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung, dass dies zu seiner Zeit gepredigt werde. Christus hat sein eigenes Leben gegeben als Lösegeld für viele.
Und unser Retter und Erlöser sagt von sich selbst: – Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele (Markus 10,45). Was kein Mensch leisten konnte, hat Christus geleistet. Sein Blut ist das Sühnegeld, das ausreicht, um Sünder zu erlösen.
Durch Christus wird die Aussage des Psalms wahr: Gott erlöst aus des Todes Gewalt. Und der Apostel Paulus stimmt mit ein: – Wenn aber dies Verwesliche anziehen wird die Unverweslichkeit und dies Sterbliche anziehen wird die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht (Jesaja 25,8) »Der Tod ist verschlungen vom Sieg. Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?« Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus! (1. Korinther 15,54-57).
Der Tod hat seinen Stachel verloren für die, die in Christus sind. Die Auferstehung Christi ist die Garantie unserer eigenen Auferstehung. Weil er lebt, werden auch wir leben.
Der Psalm fährt fort mit einer Ermahnung: – Lass es dich nicht anfechten, wenn einer reich wird, wenn die Herrlichkeit seines Hauses groß wird. Denn er wird nichts bei seinem Sterben mitnehmen, und seine Herrlichkeit wird ihm nicht nachfahren. Dies ist eine pastorale Weisung für die wahren Gläubigen. Lass dich nicht beunruhigen, wenn du siehst, wie die Gottlosen gedeihen, wie sie reich werden, wie sie in Pracht und Herrlichkeit leben. Ihr Ende ist gewiss. Sie nehmen nichts mit. Der Psalm 73,3-17 ringt mit derselben Frage:
Der Psalmist Asaph gesteht, dass er beinahe gestrauchelt wäre, als er den Wohlstand der Gottlosen sah. Aber dann ging er ins Heiligtum Gottes und erkannte ihr Ende. – Als ich es aber begehrte, dies zu begreifen, da ward mir’s zu schwer, bis ich hineinging in das Heiligtum Gottes und merkte auf ihr Ende. Ja, du stellst sie auf schlüpfrigen Grund und stürzest sie zu Boden.
Dann heißt es weiter in Psalm 49: – Erfreut sich wohl dieses guten Lebens, und man preist dich, wenn es dir gut geht. Aber doch fahren sie ihren Vätern nach und sehen das Licht nimmermehr. Der Reiche genießt sein Leben. Er wird von anderen bewundert und gepriesen. So ist es in dieser Welt. Die Welt feiert ihn. Aber letztlich fährt er seinen Vätern nach in den Tod und sieht das Licht nimmermehr. Das ist das ewige Dunkel der Gottesferne.
Noch sollen sie feiern, noch sollen sie sich rühmen, noch sollen sie ihr gutes Leben genießen – aber ihr Ende ist bestimmt. Sie tanzen im Licht, ohne zu merken, dass es das letzte Licht ist, das sie sehen werden. Sie preisen sich gegenseitig, doch keiner von ihnen kann den Tag aufhalten, an dem Gott das Licht löscht und sie in die Finsternis treten müssen. Die Freude der Welt ist laut, aber sie ist kurz; das Gericht Gottes ist still, aber es ist sicher.
Unser Herr sagt: – ….aber die Kinder des Reichs werden hinausgestoßen in die Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern (Markus 8,12).
So soll es gepredigt werden: Wer ohne Christus stirbt, fährt in die Finsternis, wo es keine Hoffnung, kein Licht, keine Freude mehr gibt. Der Tod ohne den Erlöser ist nicht nur das Ende des Lebens, sondern der Beginn des ewigen Dunkels. Kein Mensch kann sich selbst daraus retten, kein Reichtum kann ihn hindurchtragen, keine menschliche Leistung kann ihn davor bewahren. Nur Christus bewahrt vor der Finsternis – und wer ihn ablehnt, wählt einen Weg, der nie wieder ins Licht führt.
Der Psalm endet mit einer eindringlichen Wiederholung, liebe Geschwister: – Ein Mensch in seiner Herrlichkeit kann nicht bleiben, sondern muss davon wie das Vieh. Diese Wiederholung ist kein Zufall, sondern göttliche Betonung. Das Wort soll nicht überhört, sondern ins Herz hineingedrückt werden. Der Mensch, der auf seine eigene Herrlichkeit vertraut, hat keine bleibende Zukunft. Er vergeht wie das Vieh – ohne Bestand, ohne Hoffnung, ohne Ewigkeit.
Jesaja ruft denselben ernüchternden Ruf aus: – Predige! – Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; denn des HERRN Odem bläst darein. Ja, Gras ist das Volk! Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich (Jesaja 40,6–8).
Der Mensch ist vergänglich wie Gras. Seine Güte ist wie eine Blume, die am Morgen blüht und am Abend verwelkt. Alles, was wir Menschen „Herrlichkeit“ nennen – Erfolg, Stärke, Besitz, Einfluss – ist nur ein kurzer Schein. Aber Gottes Wort bleibt. Gottes Wahrheit bleibt. Gottes Verheißung bleibt. Und nur die, die diesem Wort glauben, die ihr Vertrauen nicht auf sich selbst, sondern auf Gott setzen, haben eine Zukunft, die nicht verwelkt. Nur sie haben ein Leben, das den Tod überdauert. Nur sie haben Hoffnung, die nicht vergeht.
Geschwister, was bedeutet das für uns heute? Es bedeutet, dass wir unser Vertrauen nicht auf Reichtum, nicht auf Macht, nicht auf irdische Herrlichkeit setzen dürfen. All das ist vergänglich. All das endet im Grab.
Der Apostel Johannes schreibt: – Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Denn alles, was in der Welt ist, des Fleisches Lust und der Augen Lust und hoffärtiges Leben, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. Und die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit (1. Johannes 2,15-17) Die Welt vergeht. Nur wer den Willen Gottes tut, der wird in Ewigkeit leben.
Unser ganzes Vertrauen muss allein auf Christus gerichtet sein. Er ist der Erlöser, von dem Psalm 49 prophetisch spricht. Er ist der, der das Lösegeld bezahlt hat. Er ist der, der den Tod überwunden hat. So spricht der Heiland Jesu Christ: – Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das? (Johannes 11,25-26).
Dies ist die entscheidende Frage für jeden Menschen: Glaubst du das? Glaubst du, dass Jesus selbst die Auferstehung und das Leben ist? Glaubst du, dass er allein die Macht hat, dich aus der Gewalt des Todes zu erlösen? Es geht hier nicht um religiöse Gefühle, nicht um Tradition, nicht um Wissen über Christus – sondern um Vertrauen in Christus. Es geht darum, ob dein Herz sich wirklich auf ihn stützt, ob du ihm glaubst, wenn er sagt: – Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Und diese Frage entscheidet nicht nur dein Leben, sondern deine Ewigkeit.
Geschwister, der Psalm 49 hat uns heute den Spiegel der Ewigkeit vor Augen gestellt. Er hat uns gezeigt, wie zerbrechlich das Leben des Menschen ist, wie trügerisch seine Herrlichkeit, wie schnell sein Glanz vergeht. Er hat uns gelehrt, dass Reichtum nicht trägt, dass Macht nicht rettet, dass menschliche Weisheit nicht durch den Tod führt. Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Güte ist wie eine Blume, die verwelkt. Der Mensch vergeht – aber Gottes Wort bleibt.
Darum ruft uns der Psalm weg von der Torheit dieser Welt, weg von der Selbsttäuschung, weg von dem Vertrauen auf das Vergängliche. Er ruft uns hin zu Gott, hin zu seiner Gerechtigkeit, hin zu seiner Wahrheit, hin zu seiner Gnade. Denn nur wer auf Gott vertraut, hat eine Zukunft, die nicht verwelkt. Nur wer Christus gehört, hat ein Leben, das den Tod überdauert.
Und hier liegt die Entscheidung, die jeder Mensch treffen muss: Wem vertraust du? Vertraust du auf das, was vergeht – oder auf den, der bleibt? Vertraust du auf deine eigene Herrlichkeit – oder auf die Herrlichkeit Christi? Vertraust du auf deine Werke – oder auf sein vollbrachtes Werk am Kreuz? Vertraust du auf dich selbst – oder auf den Erlöser, der sein Leben als Lösegeld für dich gegeben hat?
Der Psalm 49 endet nicht in Dunkelheit, sondern in Hoffnung: – Aber Gott wird mich erlösen aus des Todes Gewalt; denn er nimmt mich auf. Das ist die Verheißung für alle, die Christus gehören. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Die Finsternis hat nicht die letzte Macht. Das Grab hat nicht den letzten Sieg. Gott nimmt den Gläubigen auf. Gott holt ihn heim. Gott führt ihn in das Licht, das nimmermehr verlöscht.
Darum, liebe Geschwister, lasst uns unser Vertrauen nicht auf die Welt setzen, die vergeht, sondern auf Christus, der bleibt. Lasst uns nicht dem breiten Weg folgen, der in die Finsternis führt, sondern dem schmalen Weg, der zum Leben führt. Lasst uns nicht nach vergänglicher Herrlichkeit greifen, sondern nach der Herrlichkeit Gottes, die ewig ist. Lasst uns nicht für das leben, was Staub wird, sondern für den, der uns aus dem Staub erhebt.
Denn wer Christus hat, hat Leben. Wer Christus vertraut, hat Hoffnung. Wer Christus folgt, wird das Licht sehen – und nimmermehr verlieren. So gehe der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, mit uns, stärke uns, bewahre uns und führe uns auf dem Weg, der zum Leben führt. Amen.